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Präventionsnetzwerkstelle: Gegen Kinderarmut in Völklingen – Projekt PERFEKT darf weiter helfen

Дата публикации: 10-08-2026 14:00:00




Die Förderung für PERFEKT, der Netzwerkstelle zur Prävention von Kinderarmut in Völklingen und Neunkirchen, ist verlängert. Das Projekt will greifen, bevor Probleme eskalieren und die Scham übernimmt. Warum kleine Schritte dabei große Wirkung haben.



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Präventionsnetzwerkstelle Gegen Kinderarmut in Völklingen – Projekt PERFEKT darf weiter helfen

Völklingen · Die Förderung für PERFEKT, der Netzwerkstelle zur Prävention von Kinderarmut in Völklingen und Neunkirchen, ist verlängert. Das Projekt will greifen, bevor Probleme eskalieren und die Scham übernimmt. Warum kleine Schritte dabei große Wirkung haben.

Alexandra Gstöttner (links), Bettina Zeller (Mitte) sprechen mit Michaela Kawohl, Stadtteilmanagerin im Quartier „Nördliche Innenstadt“. Kawohl ist Netzwerkpartnerin, sie verweist immer wieder an „Perfekt“.

Alexandra Gstöttner (links), Bettina Zeller (Mitte) sprechen mit Michaela Kawohl, Stadtteilmanagerin im Quartier „Nördliche Innenstadt“. Kawohl ist Netzwerkpartnerin, sie verweist immer wieder an „Perfekt“.

Foto: Hannah Merk

Kein Tag gleicht dem anderen – und „perfekt“ ist auch nicht immer alles bei PERFEKT der Diakonie Saar in der Kreppstraße 3 in Völklingen. Das muss es aber augenscheinlich auch nicht sein. PERFEKT steht für „Präventives Netzwerk für Familien und gegen Kinderarmut“. Dieses Netzwerk spinnen in Völklingen – gut gelaunt und optimistisch – Bettina Zeller (55) und Alexandra Gstöttner (56). Wie die Kleinsten der Gesellschaft in anderen belasteten Quartieren, etwa in Burbach und Neunkirchen, sind auch Völklinger Kinder besonders stark der Gefahr ausgesetzt, arm zu sein. Zeller und Gstöttner wollen mit niedrigschwelligen Angeboten zur Armutsprävention für Kinder im Quartier beitragen. PERFEKT gibt es dort seit Oktober 2024.

Weggeschickt wird niemand

Aber geht es dabei wirklich nur um Prävention? Was, wenn die Situation schon akut ist? „Wir schicken erst mal niemanden weg“, macht Gstöttner klar. Prävention könne auch bedeuten, nicht die gleichen Fehler noch mal zu machen, ergänzt Zeller. Der Fokus der Präventionsstelle liegt auf Kindern von Alleinerziehenden, aus kinderreichen Familien, Kindern von langzeitarbeitslosen Eltern oder mit besonderen Belastungen. Viele Ratsuchende kämen durch Mundpropaganda oder weil Partner sie an PERFEKT verwiesen haben.

„Wir sind keine Sozialberatungsstelle“, stellt Gstöttner klar. Die beiden Sozialarbeiterinnen unterstützen im Umgang mit Behörden, informieren über Ansprüche und bieten die Gelegenheit zum Austausch an. Alle Brände können sie nicht löschen. Aber im Quartier seien die Wege zu anderen Projekten und Angeboten kurz. Passende Ansprechpartner ließen sich oft finden. Deshalb spielt die Netzwerkarbeit bei PERFEKT eine große Rolle, insbesondere im Arbeitskreis Soziale Arbeit, der sich regelmäßig trifft. Die offene Sprechstunde bei PERFEKT findet in Völklingen dienstags von 9.30 bis 11.30 Uhr statt, Termine gibt es auch nach Vereinbarung.

Bettina Zeller macht seit 18 Jahren Soziale Arbeit, hat auch schon bei anderen Trägern mit Kindern und jungen Erwachsenen gearbeitet. Alexandra Gstöttner ist seit 30 Jahren bei der Diakonie. Eine halbe Stelle hat sie auch noch beim Familienorientierungsservice. Gemeinwesenarbeit ist ihr Steckenpferd.

Netzwerk ist gut gespannt im Quartier

Eine wichtige Netzwerkpartnerin ist zum Beispiel Stadtteilmanagerin Michaela Kawohl, als Schnittstelle zwischen Bevölkerung und Verwaltung. Neben anderen Einrichtungen, wie etwa EULE (Europa Leben), die bei Sprachbarrieren Ansprechpartner zur Verfügung stellen, stehen die Mitarbeiterinnen auch in Kontakt mit dem Sozialraum-Team und dem Stadtteilforum. Im Netzwerk hilft man sich und organisiert Dinge gemeinsam – zur interkulturellen Woche wird es zum Beispiel einen interkulturellen Flohmarkt geben. Und manchmal sind es auch einfach persönliche Verbindungen, die helfen.

Sie sind „Perfekt“ – quasi: Alexandra Gstöttner (links) und Bettina Zeller (rechts) an ihren Schreibtischen im Büro.

Sie sind „Perfekt“ – quasi: Alexandra Gstöttner (links) und Bettina Zeller (rechts) an ihren Schreibtischen im Büro.

Foto: Hannah Merk

Früher erreicht und im Alltag entlastet

Anfang 2026 hatte die SZ die Standorte in Neunkirchen und Völklingen besucht und über die Arbeit bei PERFEKT berichtet. Ursprünglich lief die Förderung nur bis Juli 2026, doch diese ist jetzt bis 31. Dezember 2027 weiter bewilligt worden. Ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, da es ja auch bedeutet, dass Kinderarmut nach wie vor ein Problem im Saarland ist? Gstöttner gibt sich realistisch: Noch im Studium gab es die Idee, dass sich die Soziale Arbeit irgendwann selbst abschaffe. Danach sehe es nun nicht aus.

Ein Ziel der Netzwerkstelle ist es auch, einen Raum zum Austausch für Bewohner der Stadt zu bieten. Einmal im Monat findet etwa das Familiencafé statt.

Ein Ziel der Netzwerkstelle ist es auch, einen Raum zum Austausch für Bewohner der Stadt zu bieten. Einmal im Monat findet etwa das Familiencafé statt.

Foto: Hannah Merk

Für den Weiterbewilligungsantrag haben die beiden Mitarbeiterinnen der Diakonie eine „Wirkungsübersicht“ des Projekts erstellt. Die wichtigsten Punkte darin: Menschen würden durch den präventiven Ansatz früher erreicht, könnten im Alltag entlastet und in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden.

Kinder sind auf die Familie angewiesen

Zu den Öffnungszeiten steht die Tür in der Regel für jedermann offen.

Zu den Öffnungszeiten steht die Tür in der Regel für jedermann offen.

Foto: Hannah Merk

Beim vorigen Besuch der Saarbrücker Zeitung wurde Bettina Zeller mit „Kinderarmut ist auch Familienarmut“ zitiert, als es darum ging, dass die Arbeit in Völklingen, im Gegensatz zu der in Neunkirchen, mehr auf Familien insgesamt ausgerichtet ist. Darauf angesprochen erklärt sie: „Kinder sind bis zu einem gewissen Punkt in ihrem Leben auf ihre Eltern angewiesen, können kein eigenes Geld verdienen.“ Deshalb sei es, um Kinder vor Armut zu schützen, wichtig, das Planen des Berufswegs von Eltern und insbesondere von Frauen zu unterstützen. „Man muss über Geld sprechen oder darüber, was passiert, wenn Frauen sich vom Partner trennen“, betont Gstöttner. Denn natürlich seien Job und Geld unmittelbar miteinander verbunden. Erschwerend kommen fehlende Kinderbetreuungsplätze, Bildungshürden, Flucht- und Migrationsgeschichten und nicht anerkannte Berufsabschlüsse hinzu. „Das ist alles sehr verwoben“, beschreibt Alexandra Gstöttner die komplexen Zusammenhänge, die zu Kinderarmut führen können.

Ganz wichtig ist es den Frauen, nicht von oben herab zu agieren, sondern dauerhaft die tatsächlichen Bedarfe auszuloten. In der neuen Förderperiode liegt der Schwerpunkt deshalb auf Jobsuche und Bewerbungsunterstützung, weil die Erfahrung gezeigt habe, dass es dort eine hohe Nachfrage gibt.

Die Rolle von Traumata, Unwissen und Scham

Eindrücklich im Gedächtnis bleiben besonders die emotionalen und vermeidbaren Momente der Arbeit. „Einmal saß hier ein Mann, verzweifelt weinend, weil er von seiner Flucht so traumatisiert war, dass er nicht arbeiten konnte, obwohl er sogar eine Ausbildung in Deutschland abgeschlossen hatte“, erinnert sich Bettina Zeller. Wegen eines anderen Falls seien sie im Team zwei Tage beschäftigt gewesen: Ein Familienvater wurde krank, niemand habe gewusst, dass man Krankengeld beantragen könne, und deshalb habe die Familie drei Monate lang keine Miete bezahlt – woraufhin ihnen der Mietvertrag gekündigt worden sei. „Da spielt auch die Scham eine große Rolle“, erklärt Zeller, die verhindern könne, dass sich Menschen Unterstützung holen.

So sieht es im Inneren der Netzwerkstelle aus. Der Raum ist kindgerecht und offen gestaltet worden.

So sieht es im Inneren der Netzwerkstelle aus. Der Raum ist kindgerecht und offen gestaltet worden.

Foto: Hannah Merk

Schönes soll nicht zu kurz kommen

Aber neben diesen eher traurigen Geschichten soll auch das Schöne nie zu kurz kommen, betont Gstöttner. Mit dem monatlichen Familiencafé, das es auch weiterhin geben soll, ist ein ausgedehntes „Wohlfühlangebot“ weitergeführt worden, das eine Ratsuchende 2024 selbst etabliert hatte – diese lebt mittlerweile mit ihrer Familie in einem eigenen Haus, freut sich Bettina Zeller. Das sei eine Veranstaltungsreihe gewesen, die unter anderem einen Zoo-Besuch und einen Make-up-Kurs für Bewerbungsbilder beinhaltet habe.

Langfristig gehe es um die Stärkung der größeren Gemeinschaft und ihrer Strukturen. Auch kleine Schritte und Erfolge könnten für Menschen bedeutend sein. Bettina Zeller nennt ein Beispiel: „Es kann auch nur die Frage nach einem Blick auf den Lebenslauf sein – so wie ich das auch eine Freundin fragen würde.“

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