Ein neues Virus sorgt bei Rindern für Fieber, Durchfall und weniger Milch. Das gesamte Ausmaß könnte sich erst in einigen Monaten zeigen, wenn die nächsten Kälber zur Welt kommen.
Die ersten Meldungen über erkrankte Kühe erreichten den Rindergesundheitsdienst in Freiburg am 20. Juli. Auffällig war, dass bei mehreren erkrankten Rindern ähnliche Symptome auftraten. Auf betroffenen Höfen sorgten die Erkrankungen zunächst für Verunsicherung, weil anfangs unklar war, was den Tieren fehlte. Das neu entdeckte Virus ähnelt ersten Untersuchungen zufolge stark dem bereits bekannten Shamonda-Virus. Wie genau der neue Erreger einzuordnen ist, wird derzeit noch untersucht.
Neues Virus ähnelt bekanntem Shamonda-VirusUm die Ursache für die Erkrankung der Rinder zu finden, nahm Simon Rotheneder, Tierarzt beim Rindergesundheitsdienst, Proben auf vier Höfen im Schwarzwald-Baar-Kreis und im Kreis Tuttlingen. Diese Proben wurden nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern geschickt. Das dortige Friedrich-Loeffler-Institut identifizierte schließlich den Erreger. Erste Ergebnisse zeigen eine große Ähnlichkeit mit dem bereits bekannten Shamonda-Virus. Das Institut arbeitet aktuell an einer konkreten Charakterisierung des Virus.
Aktueller Name: "Shamonda-like-Virus"Aufgrund seiner genetischen Nähe zum Shamonda-Virus wird der Erreger aktuell als "Shamonda-like-Virus" bezeichnet. Die Übertragung erfolgt nach aktueller Einschätzung durch blutsaugende Gnitzen, also kleine Mücken. Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier ist bislang nicht nachgewiesen. Bei erwachsenen Rindern verläuft die Erkrankung meist mild.
Problematisch könnte jedoch eine Infektion während der Trächtigkeit sein. Infizieren sich Föten, kann das zu Fruchtbarkeitsproblemen, Aborten, Totgeburten oder Fehlbildungen führen, sagt Michael Suntz, Abteilungsleiter am Tierhygienischen Institut des Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamts Freiburg, im Gespräch mit dem SWR.
Solche Folgen seien bereits von ähnlichen Viren bekannt. Deshalb könnte sich das ganze Ausmaß des neuartigen Virus seiner Einschätzung nach erst in einigen Monaten zeigen.
20 Prozent weniger Milch auf Bio-Hof in TribergBeim Bio-Milchviehbetrieb von Clemens Hug in Triberg-Gremmelsbach (Schwarzwald-Baar-Kreis) waren von knapp 100 Tieren rund die Hälfte betroffen. Ende Juni ging es los. Die Kühe gaben weniger Milch, fraßen weniger, waren schlapp und bekamen Durchfall. "Die Milchleistung ist abgefallen, bei mir im Betrieb so um 20 bis 25 Prozent, das war im Juli, das hat sich jetzt wieder stabilisiert", berichtet Hug.
Zeitgleich hörte Hug von vielen anderen Höfen in der Region Ähnliches. Dort hatten die Kühe zum Teil noch Fieber. Hug wunderte sich nicht groß, schließlich stehen die Tiere wegen der Hitze ohnehin in Stress und sind dadurch anfälliger für Infektionen. "Eine Kuh schwitzt ab 20 Grad, wenn wir 30 Grad und mehr haben, dann haben die Kühe Stress."
Das neue Rindervirus kommt für die Landwirte "noch obendrauf"Dennoch war der Landwirt anfangs besorgt. "Es kam ja aus dem Nichts", erzählt er. Zumal sich immer mehr Tiere ansteckten und er nicht wusste, woran sie eigentlich erkrankt waren. Auch die Tierärzte wussten anfangs nicht, was sie hatten. "Der Virus ist noch obendrauf gekommen", sagt Hug mit Blick auf die andauernde Hitze. Es sei viel zu trocken, nichts wachse mehr nach, das Futter werde knapp.
Der Triberger Landwirt rechnet aber fest damit, dass es in den nächsten Jahren häufiger zu Seuchen und Infektionen kommen wird. "Durch den Klimawandel, durch die wärmeren Temperaturen" seien die Kühe weniger robust, glaubt Hug.