Der oberste Teil des Grönländischen Eisschildes besteht an den meisten Stellen aus Firn – einer Art komprimierter Schnee mit unzähligen Lufteinschlüssen. Wenn im Sommer Schnee und Eis schmelzen, saugt dieser einen Großteil des Schmelzwassers auf wie ein Schwamm und schützt so die Eismassen unter ihm. Mit dem Anstieg der arktischen Temperaturen entsteht immer mehr Schmelzwasser, das in den Firn einsickern kann. Wie genau diese Veränderungen aussehen und – noch wichtiger - wie sie sich auf den gesamten grönländischen Eisschild auswirken, ist bisher noch nicht ausreichend verstanden. Ein internationales Team von Forschenden des Alfred-Wegener-Instituts, des Geologischen Diensts von Dänemark und Grönland sowie den Universitäten Fribourg und Utrecht will diese Wissenslücke nun im Projekt „FirnMelt“ schließen. Der europäische Forschungsrat ERC unterstützt das Vorhaben mit dem renommierten Synergy Grant in Höhe von 13 Millionen Euro.
„Am AWI werden wir eine Modellierungssuite entwickeln, die mehrere Computermodelle miteinander verbindet“, sagt Angelika Humbert. „So können wir zum Beispiel die Interaktion zwischen Schmelzwasser und Gletschern simulieren.“ Hierfür wird die Arbeitsgruppe um die AWI-Glaziologin ein vollphysikalisches Firnmodell entwickeln, um die Bewegung des Schmelzwassers durch den porösen Firn in hoher Auflösung abbilden zu können. „Wir führen zwei Kampagnen mit unseren Polarfliegern durch, bei denen wir messen, ob Wasser im Eisschild gespeichert ist, über welche Wege es sich zur Basis bewegt und wie hoch die Wassertiefe der supraglazialen Seen auf den Gletschern ist.“ Das AWI wird auch einen neuen Ansatz entwickeln, um die Menge des Wassers im Firn aus dem Weltraum zu messen. „Die Hydrologie des Eisschildes mit all seinen Komponenten zu simulieren, ist etwas, das mich wirklich antreibt“, betont Angelika Humbert. „Es wird eine Herausforderung sein, aber es ist DIE Herausforderung, die wir angehen müssen.
In den kommenden sechs Jahren will das FirnMelt-Team so das umfassendste Modell der Hydrologie des grönländischen Eisschildes erstellen, das den ganzen Weg des Schmelzwassers verfolgt, von der Oberfläche bis zu seiner Basis. Es soll auch abbilden, wie es sich auf, in und unter dem gesamten Eisschild auswirken wird. Die vom Konsortium gesammelten Daten werden in den nächsten Bericht des Weltklimarats IPCC einfließen und während der gesamten Projektdauer öffentlich zugänglich gemacht.
Über den ERC Synergy Grant
Das Projekt ist eines von 66 Projekten, die Mittel aus dem Synergy Grant vom Europäischen Forschungsrat ERC erhalten. Der Grant fördert die Zusammenarbeit zwischen herausragenden Forschenden und ermöglicht es ihnen, ihre Expertise, ihr Wissen und ihre Ressourcen zu bündeln, um gemeinsam komplexe wissenschaftliche Probleme anzugehen. Diese Förderung ist Teil des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms Horizont Europa.
Über das FirnMelt Projekt
Partnerinstitutionen:
Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (Deutschland), Geologischer Dienst von Dänemark und Grönland, Universität Fribourg (Schweiz), Universität Utrecht (Niederlande)
Finanzierung: 13 Mio. Euro, Laufzeit: 6 Jahre, beginnend im März 2026
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