Überall im Land bauen Unternehmen historisch gewachsene Strukturen ab. Das trifft zunehmend gut bezahlte Führungskräfte. Experten warnen: „Das eigentliche Erdbeben kommt erst.“
Berlin, Düsseldorf, Frankfurt. Der 9. Juli war ein arbeitsreicher Tag für Oliver Blume. Am Nachmittag musste der Volkswagen-Konzernchef noch dem Aufsichtsrat Rede und Antwort stehen. Das Thema: die tiefe Krise bei Europas größtem Autobauer und der anstehende Umbau bei VW.
Gleich darauf machte Blume sich nach München auf, wo der Konzern seine Topmanager zu einer internen Konferenz geladen hatte. Dort skizzierte Blume zusammen mit seinem Finanzchef vor seinen rund 300 Topleuten die Lage des Unternehmens. Auch für die Manager selbst hatte er eine Botschaft parat.
Volkswagen plant, bis zum Ende des Jahrzehnts konzernweit mehr als 5000 Führungsstellen abzubauen. Diese Zahl soll an jenem Juli-Donnerstag in München gefallen sein. So beschreiben es Teilnehmer des Treffens dem Handelsblatt. Derzeit beschäftigt der Konzern weltweit rund 21.500 Manager. Das heißt: Fast jeder vierte Posten könnte wegfallen.
Jahrzehntelang verlief die Karriere bei Volkswagen nach recht berechenbarem Muster: Wer Leistung zeigte, stieg auf, wer nicht, blieb weitgehend ungeschoren. „Da haben es sich zu viele bequem gemacht“, sagt ein Entscheider aus Wolfsburg. Blume will deshalb die bisherige Hierarchie auch oben verschlanken und die bisherigen Managementkreise durch ein neues Levelsystem ersetzen, in dem auch Rückstufungen möglich sind.
Gleichzeitig werden Führungsebenen gestrichen und Verantwortlichkeiten neu verteilt. Für die, die bleiben, steigt der Druck. Weniger Manager sollen für mehr Mitarbeiter zuständig sein. Die Verantwortung wächst, die Zahl der Vorgesetzten sinkt. Es wird einsamer an der Spitze bei VW.
VW ist kein Einzelfall. Auch andere deutsche Konzerne bauen umfangreich Stellen ab – vor allem auch im mittleren Management.
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